Wozu Body-Image Kampagnen?

 

Wir sind alarmiert!

Obwohl 80 % der Mädchen normalgewichtig sind, ist über die Hälfe mit ihrem Körper nicht zufrieden. (Studie "Castingshows und ihre Bedeutung für Kinder und Jugendliche, 2010) Der Beginn von ernstzunehmender Körperunzufriedenheit beginnt bei Mädchen schon mit 9 Jahren. Erste Diätversuche und Gegenmaßnahmen zur Gewichtskontrolle beginnen hier. Ein Drittel der Mädchen zeigen bereits ein riskantes Essverhalten, bzw. Vorformen von Essstörungen. (Studie Uni Köln).

 

Deutsche Jugendliche sind die Spitzenreiter in Sachen Körperunzufriedenheit. (HBC-Studie der WHO, 2011)

 

Auch das Ärzteblatt äußert sich besorgt: " Es wird nach einem immer schlankeren Idealbild gestrebt, wobei im Extremfall auch die Gefährdung der eigenen Gesundheit in Kauf genommen wird."

 

Diese Entwicklung beobachten wir nicht nur in einschlägigen Internetmedien, wie Youtube, Facebook, Instagram etc. sondern bildet sich direkt bei unseren jugendlichen Betroffenen in der Beratung ab: Die Ängste vor Kohlenhydraten hat mit Einzug der Low Carb-Ernährung massiv Einzug gehalten (früher war es eher die Angst vor Fett),

Ebenfalls zeigt sich vermehrt sportsüchtiges Verhalten mit der Propagierung von extremen Trainigsmethoden auf Youtube, Instagram und der Idealvorstellung eines "Sixpacks" für Frauen, welche in den Medien in den letzten Jahren verstärkt propagiert wird.

 

Wir wissen sehr wohl, dass Essstörungen nicht allein durch die Schönheitsideale in den Medien ausgelöst werden. Es hat vielfach mit familären Hintergründen zu tun. Es ist meist eine Frage des Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls. Und genau das ist der Punkt: Kinder und Jugendliche in der Pubertät sind selten stark und selbstbewusst, sondern in der Regel durch viele Faktoren und Fragen, wie z.B. 2wie will ich sein?" verunsichert. Somit sind sie ein leichtes Opfer für die Bilder, die in den medien erzeugt werden und noch mehr für die (zu kaufenden) Lösungen und Strategien, die gleich mit angeboten werden. Die Kosmetik-, Mode,- Diät,- und Fitnessindustrie zielen immer stärker auf eine jugendliche Zielgruppe. In den USA gibt es schon Fitnesskurse mit 10-jährigen Anleiterinnen mit Sixpack für eine gleichaltirge Zielgruppe. Wollen wir das?

 

Die Medien - und hier ganz besonders die Internetmedien - haben einen beträchtlichen Einfluss auf die Meinungsbildung von Kindern und Jugendlichen. Mädchen sehen ihren Körper zunehmend als Objekt, das von den anderen bewundert und kritisiert werden muss - und nicht als Körper, der ihnen gehört und dessen positiven Funktionen man wertschätzen könnte.

 

Schon Kinder im Kindergartenalter orientieren sich an medial übermittelte Vorbilder. Die Bewunderung gilt zunächst gleichgeschlechtlichen Protagonistinnen, wobei Mädchen die optischen Vorzüge in den Vordergrund stellen und Jungen eher "Superkräfte" oder sportliche Idole haben. (Quelle: "Die Bedeutung medialer Vorbilder im Laufe des Lebens, Cornelia Klein, 2013)

 

Aus diesem Grund haben wir eine Body-Image-Gruppe gegründet und planen diverse Aktionen, die helfen sollen:

 

1. den Blick für Schönheit zu ändern. Wer sagt, dass nur übermäßig schlanke Frauen und muskulös-definierte Männer, beide mit einem gesundheitlich bedenklich niedrigen Körperfettanteil, das einzige Idealbild von Schönheit sein soll? Lasst uns lieber unsere eigene Schönheit entdecken. Lasst uns selbst definieren, was schön ist, anstatt uns definieren zu lassen!

2. über die Sinnlosigkeit und Gefahren von Diäten und Extremsport aufklären. Statt extremer Rosskuren von Verzicht und Einschränkung, die leider oft gegenteilige Folgen haben, wie Überfressen mit und ohne Erbrechen, möchten wir ermutigen zu einem Essverhalten, das dich gesund erhält und dich wohlfühlen lässt. Statt extremem Raubbau am Körper durch Übertraining, Anabolika-Missbrauch und Einsatz von pushenden Traininghilfen (männliche Essstörungen äußern sich eher so), hin zu einem gesunden Umgang mit Sport und Bewegung, Bewegung als Lebensmittel,  Bewegung aus Spaß, nicht als "Killer" "Bootcamp" oder "Ass-kicking-Workout" mit ernsten gesundheitlichen Schäden.

3. auf Diskriminierung dicker Menschen aufmerksam machen und Respekt einfordern. Die Vorstellung, man müsste dicke Menschen nur oft genug aufmerksam machen, dass sie dick sind, würde ihnen helfen, abzunehmen, stimmt nicht. Im Gegenteil, sie führt entweder zu Frust und Resignation und esssüchtigem Verhalten ("Jetzt ist ja sowieso alles egal!) oder zu heftigen Gegenregulationen durch Extremdiäten oder magersüchtigem und bulimischen Verhalten. Dicken-Bashing finden wir in Schulen, bei Ärzten im Ausbildungsbereich für Jugendliche.

4. den eigenen Körper nicht als Dauerbaustelle zu betrachten, die es ständig zu optimieren, zähmen und kasteien gilt, sondern sich freizumachen von gesellschaftlichem Druck einem bestimmten Bild entsprechen zu müssen und den eigenen Körper wieder zu entdecken als Kraftquelle, Ermöglicher, bester Freund und Ratgeber. Getreu nach dem Motto: Optimierst du noch oder lebst du schon!

 

Vieles davon realisieren wir schon in unseren Unterrichtseinheiten und Workshops, aber wir wollen noch mehr, Prävention fängt unserer Meinung nach bei den Meinungsbildnern an.Es braucht ein gutes Stück mehr Öffentlichkeitsarbeit und gesellschaftspolitisches Handeln.

Wir planen auf Youtube präsent zu werden, Fotokampagnen, Flasmobs und Ähnliches. Dafür brauchen wir:

- dich als Teilnehmer. Schick uns eine Mail an hartmann(at)dick-und-duenn-berlin.de, wenn du in unseren Aktionsverteiler willst.

- Ehrenamtliche, die uns bei unserer Arbeit auf Facebook, Instagram, Youtube etc. unterstützen.

- Spenden.

 

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